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Pierre erzählt: Vom Ehrenamt zur beruflichen Perspektive
Lesezeit: 7-8 Minuten
Wenn Pierre den Klassenraum betritt, dauert es meist nicht lange, bis er auffällt. Nicht wegen seiner Lautstärke. Nicht wegen seiner Noten. Sondern wegen seiner Hawaiihemden. "Die gehören einfach zu mir." Wer Pierre kennenlernt, merkt schnell, dass hinter dem humorvollen Auftreten ein Mensch steckt, der sich mit großer Leidenschaft für andere einsetzt. Mit 52 Jahren hat er sich dazu entschieden, noch einmal eine Ausbildung im Rettungsdienst zu beginnen und die Qualifikation zum Rettungshelfer NW zu absolvieren. Nicht, weil er beruflich musste. Sondern weil er wollte.
Lernen hört nicht mit 30 oder 40 auf Hauptberuflich arbeitet Pierre als Raumausstatter. Ein Beruf, den er seit vielen Jahren ausübt und den er nach wie vor gerne macht. Gleichzeitig engagiert er sich seit einiger Zeit ehrenamtlich. Der Wunsch, sich im Rettungsdienst weiterzubilden, entstand dabei nicht über Nacht. "Das Interesse war schon lange da."
Immer wieder kam er mit dem Rettungsdienst in Berührung und stellte fest, wie faszinierend ihn die Arbeit der Einsatzkräfte fand. Irgendwann wurde aus Interesse ein konkreter Plan. "Ich habe mir gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?"
Mit 52 noch einmal eine Ausbildung beginnen? Diese Frage bekam Pierre häufiger zu hören. Viele Menschen verbinden Ausbildung mit jungen Schulabgängern. Pierre sieht das anders. "Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu lernen."
Natürlich sei es ungewohnt gewesen, wieder regelmäßig Unterricht zu besuchen. Doch Zweifel habe er deshalb nicht gehabt. "Ich wollte das machen. Also habe ich es gemacht."
Seine Motivation war dabei von Anfang an klar. Er wollte nicht einfach nur einen Kurs besuchen. Er wollte verstehen, lernen und sich weiterentwickeln.
Vom ersten Tag an Teil eines Teams Besonders beeindruckt hat Pierre die Atmosphäre innerhalb der Ausbildung. "Schon am ersten Tag wurde klar, dass Rettungsdienst Teamarbeit ist."
Für ihn war das einer der wichtigsten Eindrücke überhaupt. Die Dozenten vermittelten nicht nur medizinisches Wissen. Sie vermittelten Werte: Respekt. Kommunikation. Verlässlichkeit. Und vor allem die Bedeutung von Teamarbeit. "Im Rettungsdienst funktioniert niemand allein."
Dieser Gedanke zog sich für Pierre durch die gesamte Ausbildung.
Mehr als Unterricht Viele Menschen stellen sich Ausbildung als reinen Wissenstransfer vor. Für Pierre war die Erfahrung eine andere. "Natürlich lernt man medizinische Inhalte. Aber man lernt auch, miteinander zu arbeiten."
Besonders geschätzt habe er, dass die Lehrkräfte das Miteinander in der Klasse aktiv gefördert haben. Gemeinsames Lernen, gegenseitige Unterstützung und der offene Austausch seien fester Bestandteil des Unterrichts gewesen. "Man hatte nie das Gefühl, gegeneinander zu arbeiten."
Stattdessen entstand eine Gemeinschaft. Und genau das spiegele später auch die Realität im Rettungsdienst wider.
Familiärer Umgang statt anonymer Schulbetrieb Fragt man Pierre nach seinem Eindruck von der Akademie, fällt ein Begriff immer wieder: Familiär. "Man merkt einfach, dass hier Menschen arbeiten, denen die Teilnehmer wichtig sind."
Gerade als älterer Teilnehmer habe er sich von Anfang an willkommen gefühlt. Es habe keine Rolle gespielt, wie alt jemand sei oder welchen beruflichen Hintergrund er mitbringe. "Jeder wurde ernst genommen."
Für Pierre war genau das ein wichtiger Faktor. Denn Lernen funktioniere am besten in einer Umgebung, in der man sich wohlfühlt.
Die Lehrkräfte leben vor, was sie vermitteln Besonders positiv spricht Pierre über die Dozenten. "Man merkt sofort, dass sie aus der Praxis kommen."
Viele Inhalte wurden anhand echter Erfahrungen erklärt. Dadurch seien die Themen deutlich greifbarer geworden. Noch wichtiger war für ihn jedoch etwas anderes: "Die Lehrkräfte haben Teamarbeit nicht nur erklärt. Sie haben sie vorgelebt."
Für Pierre war das ein entscheidender Unterschied. Die Werte, die später im Rettungsdienst wichtig werden, seien bereits während der Ausbildung spürbar gewesen.
Die Qualifikation war nur der Anfang Inzwischen hat Pierre seine Qualifikation zum Rettungshelfer NW erfolgreich abgeschlossen. Doch für ihn ist das noch nicht das Ende des Weges. "Das war erst der Anfang."
Er möchte seine Kenntnisse weiter vertiefen und sich weiterhin im Rettungsdienst engagieren. Vor allem aber möchte er das Gelernte sinnvoll einsetzen: Menschen helfen. Verantwortung übernehmen. Teil eines Teams sein. Genau deshalb hat er die Ausbildung begonnen.
Was Pierre anderen Interessierten sagen würde Wenn Pierre heute mit Menschen spricht, die über eine Ausbildung im Rettungsdienst nachdenken, hört er häufig dieselben Zweifel. "Bin ich nicht zu alt? Kann ich das überhaupt noch lernen? Passe ich da überhaupt rein?“
Seine Antwort fällt eindeutig aus. "Alter spielt keine Rolle."
Entscheidend seien Motivation, Interesse und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. "Wenn man Lust darauf hat, sollte man es einfach machen."
Sein persönliches Fazit Für Pierre war die Ausbildung weit mehr als nur der Erwerb einer Qualifikation. Sie war eine persönliche Bereicherung. Eine neue Erfahrung. Und die Bestätigung, dass Lernen und Weiterentwicklung nicht vom Alter abhängen. Besonders in Erinnerung bleiben ihm die Menschen, die er kennengelernt hat. Die gemeinsamen Erfahrungen. Und die Erkenntnis, die bereits am ersten Ausbildungstag vermittelt wurde: "Rettungsdienst ist Teamarbeit."
Oder wie Pierre es mit einem Lächeln formuliert: "Und im Team lernt es sich einfach besser; egal ob im Polohemd oder im Hawaiihemd."
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Alexander Schiffmann
Schulleiter DRK Rettungsdienst-Akademie Euskirchen
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